SÜDAMERIKA, ECUADOR

ECUADOR - VON DER KÜSTE BIS AUF FAST 6.000m HÖHE

Ecuador war das nördlichste Land unserer Südamerikarundreise. Unsere Ausreise aus Peru ging total schnell, aber der Wutz machte uns heute Probleme. Eigentlich wurde er im System des Zolls von Peru registriert und erfasst, aber unter unserem Nummernschild war er nicht zu finden. Während der Beamte min. 10x die Kombination eintippte aber kein Suchergebnis bekam, wollte der Kollege unbedingt dem Dominik seine Sonnenbrille abkaufen. Wir erinnerten uns, dass bei der Einreise von Bolivien nach Peru der Computer des Beamten nicht funktionierte und vermuteten daher, dass der verpennt hat unser Auto nachträglich einzutragen. Naja egal, der Wutz durfte trotzdem ausreisen und Dominik hat seine Sonnenbrille auch noch in Ecuador dabei. Die Einreise nach Ecuador war ein Kinderspiel: wir wurden so freundlich empfangen und der Zollbeamte machte gleich noch ein Foto mit seinem Handy von unserem Auto und zeigte uns stolz Fotos von anderen Globetrottern die über die Grenze sind. Die Fahrzeug- und Kühlschrankkontrolle ist mal wieder aufgrund Small-Talk und gegenseitigem Rumalbern ausgefallen.

Aber wir brauchten noch eine Versicherung für Ecuador und als wir den Zollbeamten fragten wo man die abschließen kann, sagte er wir sollen zur großen Shoppingmall fahren. Wie bitte in einem Einkaufszentrum? Ok, dann mal los und die Straßen von Ecuador testen. Ecuador überrascht uns von Anfang an. Die Straßen sind top und alles ist sehr gepflegt. Es liegt kaum Müll am Straßenrand und die Kreisverkehre sind sogar aufwendig begrünt und man hält sich an die Verkehrsregeln. In der Mall gibt es tatsächlich ein Büro der SOAT-Versicherung, aber unsere Passnummern werden in ihrem System nicht akzeptiert und somit fahren wir ohne Abschluss weiter.

Jetzt wird es spannend. Wir haben vor das erste Mal zu tanken. Als wir die Preise sehen trauen wir unseren Augen kaum. 1 Liter Diesel kostet gerade mal 20 Cent, d.h. wenn wir unseren Tank voll machen bezahlen wir für 70 Liter gerade mal 14€! Wir übernachten auch gleich an der Tankstelle und dürfen morgens sogar die Dusche benutzen. Am nächsten Tag düsen wir über die gut ausgebauten Straßen und Autobahnen weiter und machen nen Stop in Südamerikas größtem Einkaufszentrum. Wir schaffen gerade mal einen Bruchteil abzulaufen und noch den ersten Einkauf im MegaMaxi-Supermarkt zu erledigen der auch seinem Namen gerecht wird. Eine 6er Box von Dunkin Donuts muss natürlich auch noch mit…

Ecuador ist total grün und wir fahren durch die Bananenregion schlechthin. Jede Bananenstaude ist einzeln mit einer Plastikfolie vor Fressfeinden geschützt. Daneben gedeihen Kakaobäume und somit wächst hier die Schokobanane direkt am Straßenrand.


Temperaturen über 30°C sind angesagt und wir schwitzen auf dem Weg zur Küste ganz schön. Es kommt eine schöne Bucht nach der anderen und dann erreichen wir das Örtchen Puerto Lopez. Die Campingmöglichkeit ergab sich bei dem netten Hotel Nantu direkt am Strand. Wir durften im Hinterhof stehen und die Dusche unter freiem Himmel nutzen. Die beiden Wachhunde vom Hotel schliefen die ganze Nacht neben unserem Camper und beschützten uns vor ungebetenen Eindringlingen, aber leider nicht vor den Mücken.

Morgens um 9:00 ging es auf ein Boot um zur Isla de la Plata zu schippern. Die Insel wird auch Galapagos für Arme genannt, aber da sind wir gerne arm.


Auf der Fahrt zur Insel kann man Buckelwale beobachten und wenn man Glück hat springt einer neben dem Boot hoch. Das ist echt beeindruckend aber auch zugleich unheimlich wenn man bedenkt, dass der Wal deutlich größer ist als das Boot in dem man so sitzt…


Auf der Insel nisten Vögel, u.a. Blaufußtölpel und Fregattvögel. Mit einem Guide macht man eine Wanderung von 1-2 Stunden und anschließend kann man vor der Insel schnorcheln und Schildkröten, Rochen und viele Fische sehen. Da auf einmal die Sonne weg war, beschloss Sandra zu kneifen, aber einer muss sich ja die Unterwasserwelt anschauen.


Noch ne kalte Dusche am morgen unter freiem Himmel bei Sonnenschein und wohligen 25°C und ab weiter nach Norden an der Küste entlang. Man kommt von einer schönen Bucht in die nächste und fragt sich, bleiben wir besser hier oder kommt noch was Besseres?




Das Hotel Bambu in Canoa war unser nächster Platz zum nächtigen und der Strand kann sich sehen lassen. Als wir allerdings am Nachmittag ankamen, zogen Wolken auf (wie immer hier ab ca. 16:00) und wir einigten uns, dass wir noch einen kompletten Tag hier verbringen werden und auch die supertolle Anlage vom Hotel genießen wollen. Abends haben wir dann mit unseren Stellplatznachbarn aus Südafrika ein BBQ gemacht. Die hatten frisch gefangene Garnelen und Langusten und wir leckere Rindfleischspieße…mmmmmh!


Es wurde ein genialer Tag mit viel Sonne, ein bisschen Planschen im Meer, relaxen in der Hängematte und nem gutem Cocktail für 2 USD zum Sonnenuntergang. Was noch erwähnt werden muss, dass unser frisch gewaschener Wutz mittlerweile wieder eine Dusche braucht, da über uns im Baum unzählige Leguane wohnen und ständig den Wutz als Toilette benutzen.


Da Ecuador ein kleines Land ist, hatten wir bisher nie wirklich lange Fahrtage. Jetzt verließen wir aber die Küste und erklimmten das Hochland. Von 0m auf über 4.000m durch mehrere Wolkenschichten in gerade mal 2 Stunden.


Wir hatten echt Angst dass uns die Höhenkrankheit erwischt, aber wieder nichts. Puh, nur das Schnaufen fällt wieder schwerer. Auf der Strecke gab es sehr viele Baustellen, daher kamen wir wieder mal zum Einbruch der Dunkelheit an unserem Ziel, der Laguna Quilotoa an. Das ist ein erloschener Vulkan in dessen Krater nun ein See liegt. Der Übernachtungsplatz war vor einer Herberge die von einheimischen (indigen) Frauen geführt wird, die von ihrer Tracht her auch problemlos in ein österreichisches Bergdorf passen würden. In der Nacht hatte es dort oben einen üblen Wind und die Temperaturen fielen auf 10°C.




Es waren nur noch 70km bis nach Quito und über die Panamericana ist man schnell mitten in der Hauptstadt. Ein wahnsinniges Straßengewirr, aber wir finden gut durch und kommen direkt bei Gerds Hostal Zentrum an. Gerd (übrigens schon 83) ist ein gebürtiger Hamburger und lebt seit 10 Jahren hier und führt sein Hostel bestens. Der Wutz passt zwar nicht durch das Tor um im Garten zu stehen, aber wir parken einfach vorne dran und bekommen einen Schlüssel damit wir das eigens nur für Camper gebaute Bad nutzen können. Quito selbst bietet vor allem Kirchen und Klöster und die Altstadt ist nett hergerichtet. Von unserem Stellplatz sind es nur 500m in das Touristen- und Weggehviertel Mariscal wo man nachts einigermaßen sicher ist, aber zurück nehmen wir dann lieber ein Taxi, wie es empfohlen wird.


Dann hieß es mal wieder Sport machen und zwar nur für einen guten Zweck: Akklimatisieren!!! Da Dominik am Dienstag den Cotopaxi (5.897m) erklimmen will, mussten wir bzw. er vorher einen anderen Berg machen um sich an die Bedingungen hier zu gewöhnen. Also rauf mit der Gondel Teleferiqo auf 4.050m und dann noch schlappe 650 Höhenmeter auf Quitos Hausberg den Rucu Pichincha, was aber echt nicht so einfach ist. Wir haben es geschafft und Dominik ist (hoffentlich) fit für seine Tour.


Wir machten uns auf zu unserem nördlichsten Punkt unserer Reise, dem Äquator. Es gibt verschiedene Punkte wo man die Äquatorlinie sieht, aber in Wirklichkeit ist der Äquator ein paar Kilometer breit. Mitad del Mundo (Mitte der Erde) ist der bekannteste Platz wo auch ein großes Denkmal steht. Wir waren genau mittags am 23.09. dort und das Erstaunliche ist, dass an diesem Tag und am 21.03. nichts mehr einen Schatten wirft da die Sonne genau senkrecht über dem Äquator steht. Im Museo de Sitio Inti, einer mehr einheimischeren Einrichtung, kann man dann einige "Versuche" machen wie beispielsweise die unterschiedliche Drehrichtung des Wassers auf der Nord-/Südhalbkugel.


Nachdem der Wutz und wir kurz Nordhalbkugelluft geschnuppert haben, machten wir kehrt und nun geht unsere Route nur noch Richtung Süden. Dominik hat in Quito beim Ecuadorian Alpine Institute die Besteigung auf den Cotopaxi gebucht und daher fuhren wir abends Richtung Nationalpark Cotopaxi. Übernachtet haben wir aber außerhalb des Parks da dieser schon geschlossen hatte.


Am nächsten Tag holte der Guide Jose am Mittag den Dominik ab und sie fuhren bis zum letzten möglichen Parkplatz auf 4.600m. Es waren nur 200 Höhenmeter zum Refugio und dort hieß es noch was essen und früh schlafen gehen. Um Mitternacht klingelte der Wecker, dann wurde gefrühstückt und um 1 Uhr ging es los. Nach 25min erreicht man den Gletscher, dem man 1.000 Höhenmeter durch Schnee und Eis bis auf den Gipfel folgt.


Nach 3:50 Stunden waren Dominik und der Guide oben, jedoch waren es noch 45min bis zum Sonnenaufgang. Da es eisig kalt war, bestiegen sie zum Warmhalten den kleineren Nebengipfel bevor es nochmal auf den 5.897m hohen Hauptgipfel ging. Der Ausblick auf die vergletscherten Vulkane Ecuadors (einer brach sogar live aus), das Lichtermeer von Quito und den beeindruckenden Krater des Cotopaxi sind gigantisch.


Am Schwefelgeruch erkennt man, dass man sich auf einem noch aktiven Vulkan befindet. Der 2 stündige Abstieg über Eis und Geröll ist dann etwas für die aufgeweichten Knie und echt nervig. Glücklich aber fertig kam Dominik um 9 Uhr morgens wieder bei Sandra am Wutz an und legte sich erstmal schlafen. Den Chimborazo (6.310m), vom Erdmittelpunkt gemessen der höchste Berg der Erde hebt sich Dominik für das nächste Mal auf, schließlich müsste ja erst der zweithöchste Berg, der Mount Everest bezwungen werden - hahaha.

Es ging weiter nach Banos was für seine Thermalbäder (Eintritt 2$) bekannt ist, außerdem liegt es direkt am Fuß des immer noch aktiven Vulkans Tungurahua. Ein nettes Örtchen und ein guter Ausgangspunkt um die Schlucht der Wasserfälle mit dem Mountainbike zu erkunden.


Das Wetter hier ist total unberechenbar und der Wetterbericht ist total für die Katz. Also wagten wir uns auf die 63km lange Strecke. Dominik brauchte noch zwischendurch nen Adrenalinkick und machte Canopy. Man konnte zwischen drei verschiedenen Positionen wählen wie man rüber gleiten will. Die Konstruktion war ein bisschen fragwürdig, denn die Schlinge vom Tragegurt wurde nur mal eben um die Halterung rumgewickelt, Karabiner kennen die hier wohl nicht.


Naja es ist ja alles gut gegangen und zurück durfte man dann mit der Kabinenbahn Tarabita. Wir kamen an einigen Wasserfällen vorbei, bis wir an dem Größten "Pailon del Diablo" waren. Ein kleiner Wanderweg führt direkt unter bzw. sogar hinter den Wasserfall, aber es gibt davon keine Fotos da die Kamera sonst abgesoffen wäre. Am Kilometer 33 schlug auf einmal das Wetter um und es regnete. Wir schnappten uns daher den nächsten Bus der vorbei kam und fuhren zurück nach Banos. Das kostete gerade mal 3$ für zwei Leute und die Bikes wurden einfach in das Gepäckfach unten im Bus verstaut.


Einen Tag später passierten wir auf dem Weg nach Riobamba das Dorf Pelileo das für die Herstellung von Jeans berühmt ist und die bekommt man für gerade mal 8-10$. Riobamba ist der Ort um viele Aktivitäten am 6.310m hohen Vulkan Chimborazo zu machen.


Wir wurden auf 4.800m transportiert und dann wanderten wir noch 300 Höhenmeter weiter. Juju wir knackten die 5.000m und Dominik war am überlegen ob er den Berg doch noch besteigen soll, aber da beide Refugios dort oben umgebaut werden und man in Zelten bei den Temperaturen übernachten muss, lässt er es lieber sein. Von den 4.800m ging es dann mit Downhillbikes über Trails und teilweise sehr sandige und steinige Wege wieder runter auf 2.750m nach Riobamba.


Soviel Sport in einer Woche reicht erstmal und wir wendeten uns wieder gemächlicheren Dingen zu.
Um in den nächsten Ort zu kommen gibt es verschiedene Transportmöglichkeiten: zu Fuß, mit dem Esel/Pferd, zusammengepfercht stehend auf einem Pritschenwagen oder wie es die Schafe manchmal tun angebunden auf dem Dach eines Linienbusses!! (waren so perplex von diesem Anblick dass wir davon leider kein Foto gemacht haben).




In Alausi war erst einmal Fotoshooting angesagt. Wir mischten uns unter die Leute auf dem Wochenmarkt und konnten so mal wieder gut die Einheimischen ablichten.










Hier gibt es auch den preiswerten Ersatz für das fehlende Wiesnhendl: Cuy vom Grill = Meerschweinchen. Für nur 3$ (anderswo kostet es bis zu 20$) haben wir es probiert und es schmeckt erstaunlich zart und gut wie mageres Schweinefleisch. Aber man darf beim Essen nicht die Krallen anschauen und auch nicht den Kameraden der noch im Grill seine Runden dreht.


Mit vollem Magen und einer Erfahrung reicher tuckerten wir mit dem Zug die Nariz del Diablo (Teufelsnase) runter und wieder hoch. Auf dieser steilsten Bahnstrecke der Weltwindet sich die Schmalspurbahn den Berg im Zickzack entlang und so müssen bei jeder Wende immer die Weichen von Hand umgestellt werden. Der Streckenabschnitt ist ein Teil der wieder ins Leben gerufenen Eisenbahnlinie von Guayaquil an der Küste bis nach Quito.


Letzte Station in Ecuador ist Cuenca, die vielleicht schönste Stadt des Landes und Hauptexporteur des weltbekannten Panamahutes. Ja richtig gelesen, der Hut kommt aus Ecuador und nicht wie man vom Namen her meinen könnte aus Panama. Man kann verschiedene Werkstätten besuchen und dort eine Kopfbedeckung zwischen 20 und 400$ erstehen.


Eigentlich wollten wir noch in den Cajas Nationalpark, aber als wir losfahren wollten ist die Aufhängung des Kupplungsseils gebrochen und wir mussten sie schweißen lassen. Es war zwar dann erst 10:30 und wir hätten noch losdüsen können, aber wir haben dann beschlossen auf dem schönen Stellplatz noch einen Bummeltag unter unserer Markise zu genießen und abends in die Halle zum Klettern zu gehen.


Morgen geht es Richtung Küste rüber und über die Grenze in Tumbes wieder rein nach Peru und dort werden wir nochmal ins Meer springen, um dann in ein paar Tagen weiter nach Chile zu fahren wo es wahrscheinlich um diese Zeit keine Bademöglichkeit gibt.
Ecuador hat uns bis jetzt am besten gefallen und wir werden das Land und seine Menschen sehr vermissen. Es ist keinesfalls ein Entwicklungsland und verglichen mit den anderen Andenstaaten weit fortgeschritten. Aber wir sind auch schon auf Chile gespannt, wo man immer nur Gutes hört.
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