SÜDAMERIKA, BOLIVIEN

BOLIVIEN - DER TRADITIONELLSTE UNTER DEN ANDENSTAATEN

Wir sind über Brasilien nach Bolivien eingereist. Von Caceres sind es noch 60km geteerte Straße bis zur brasilianisch-bolivianischen Grenze.
Die Brasilianer haben erst einmal den Fotoapparat gezückt und Schnappschüsse vom Auto und uns gemacht. Währenddessen haben wir uns mit der Hecktüre abgemüht, da die sich auf einmal nicht mehr öffnen ließ, aber der Grenzbeamte unbedingt reinschauen wollte. Irgendwann hat er und auch wir aufgegeben und wir durften ohne Beschauung durchfahren.
Die Einreiseformalitäten für Bolivien muss man dann in der 7km entfernten Stadt San Matias erledigen, aber dem sollte nicht so sein, denn auf einmal ging der Wutz aus und auch nicht wieder an. Bei 35C abends um fünf hieß es raus und ab unter die Motorhaube. Es blieb tatsächlich gleich ein Bolivianer stehen und schaute mit wo das Problem liegen könnte und siehe da, der Schlauch vom Dieselvorfilter leckte. Also neuen zuschneiden (Falk hat ja für alles gesorgt) und schon ging die Fahrt weiter.
Als wir unsere Pässe mit weiteren Stempeln geschmückt haben mussten wir durch San Matias um beim Zoll noch für den Wutz ein Dokument ausstellen zu lassen. Die Dame konnte sogar Englisch und erklärte uns sie bräuchte von allen Dokumenten eine Kopie und dafür mussten wir wieder durch die Stadt zum Kopierladen. Wir haben vorgesorgt und gleich mal mehrere Kopien gemacht falls das einem zukünftigen Grenzbeamten auch einfällt. Als wir unseren ganzen Papierkrieg erledigt hatten war es dunkel und wir hatten keinen Stellplatz für die erste Nacht in Bolivien. Die Grenzstadt gilt auch als sehr unsicher und daher bekamen wir die Erlaubnis auf dem eingezäunten und bewachten Gelände des Zolls campieren zu dürfen. Wir erlebten auch gleich mit was es heißt in Bolivien an Sprit zu kommen. Da stehen die Leute mit ihren fahrbaren Untersätzen an und überwacht bzw. streng kontrolliert wird das ganze natürlich vom Militär. Gut dass wir in Brasilien noch unsere ganzen Kanister voll gemacht haben.

In San Matias beginnt die sogenannte Missionsroute.


500km Piste und 260km Asphalt bis Santa Cruz. Der Fahrbahnbelag wechselte zwischen planer Oberfläche (50km/h) zu Schotterpiste mit Schlaglöchern (30-40km/h) und dann schön glatt aber mit großen kantigen Steinen worüber sich die Reifen und unsere Rücken sehr freuten. Daher gab es immer wieder das Kommando "Reifencheck" und jeder musste sich auf seiner Seite raus lehnen und gucken ob noch alles ok ist.
Zwischen San Vicente und San Ignazio wurde die Piste dann so was von schlecht und uneben, dass wir nur noch mit knapp 20km/h vorwärts kamen.


So erreichten wir im Dunkeln das Tagesziel San Iganzio und machten uns auf die Suche nach einem Stellplatz. Aber erst einmal gönnten wir uns für gerade mal umgerechnet 7,- Euro zwei Pizzen und was zu trinken. Wir sehnten uns nach dem ganzen roten Staub so sehr nach einer Dusche und die Besitzerin meinte wir können bei ihr privat duschen, aber erst wenn im Restaurant weniger los ist und sie weg kann. Gut gemeint, aber wir haben einfach bei der Polizeistation nachgefragt ob wir dort stehen dürfen und prompt durften wir dort die Toiletten und Duschen benutzen. Als Dankeschön gab es von uns noch die Reste der Pizzen die wir uns einpacken haben lassen.

Dann wieder ab auf die staubige Straße aber es waren nur noch knapp 200km. Wir waren gespannt wie weit sie die Straße mittlerweile schon geteert hatten, da in unserem Reiseführer von 2009 stand, dass Asphaltierungsarbeiten im Gang sind. 20km vor Concepcion war dann tatsächlich Teer in Sicht mit vielen Schlaglöchern aber immerhin zogen wir dann keine Staubwolke mehr hinter uns her.
Nachdem wir zwischendurch mal dem Wutz 20 Liter Diesel aus dem Kanister gegönnt haben kam unser erstes mal tanken in Bolivien. Eigentlich steht der Preis an der Zapfsäule (ca.3,5 Bolivianos = ca. 40 Cent), aber Ausländer (übrigens Gringos genannt) zahlen den dreifachen Preis. Dies ist so gesetzlich vorgeschrieben. Aber es gibt offenbar Ausnahmen und wir haben komplett aufgetankt inkl. Kanister auffüllen zum Einheimischenpreis.

Was echt nervt sind die ständigen Militärkontrollen. Da werden die Passdaten und die des Fahrzeugs in eine tolle handschriftliche Liste eingetragen. Das erschreckende ist, dass an diesen Kontrollposten sehr sehr junge Jungs sitzen die nicht einmal wissen was sie da eintragen müssen obwohl wir alle Fahrzeug- und Personenangaben auf Spanisch aufgelistet haben. Ein befremdendes Gefühl im Urwald mit bewaffneten und Cocablättern kauenden Jungs, kein Mensch älter als 20.
Zuerst wollten wir nach Santa Cruz, da wir dort die Verwandtschaft von Dominiks Arbeitskollegen (Danke an Lukas) als Anlaufstelle gehabt hätten, aber uns wurde von S.C. abgeraten da es momentan sehr gefährlich ist und viele überfälle stattfinden. Dann die Alternative gleich nach Montero, aber als wir vor der Abzweigung standen war diese Straße ungeteert und darauf hatten wir keine Lust mehr. Also ab zur Tankstelle im Ort San Julian und bei einem Cocablätter mampfenden Wachmann, der aufpasst dass über Nacht kein Benzin geklaut wird, übernachten. Sind also doch durch Santa Cruz gefahren und haben versucht noch bei den Verwandten vorbei zu schauen, aber auf der Zufahrt war eine größere Baustelle, daher ging es schnurstracks zu "Austria Delikatessen" (34km nördlich von Santa Cruz) von Elfriede und Andreas Kranewitter.

Die beiden haben ein Restaurant auf ihrem großen landwirtschaftlichen Betrieb, zusammen mit ihrem Sohn und der Tochter. Den Tipp haben wir von Peter & Isabella bekommen und somit kamen wir in den Genuss eines original Wiener Schnitzels inkl. selbst gemachtem Kartoffelsalat mit Speck und Pommes. Man hätte sich auch noch ein Stück vom bestimmt leckeren Kuchen gönnen können, aber unsere Mägen waren so voll. Insgesamt 3 Stunden haben wir bei den Kranewitters verbracht, da wir Andreas ganz gespannt beim Geschichten erzählen zugehört haben. Wir hätten gerne auch bei ihnen campen können, aber wir wollten noch in Villa Tunari angekommen. Unterwegs der zweite Tankstopp in Bolivien und wieder hat uns das Land überrascht: die Tankfrau hat Dominik einfach eine Quittung mit dem Namen und Kennzeichen eines Bolivianers der kurz vorher getankt hat ausgestellt und ihm den Sprit zum Einheimischenpreis gegeben. Mit 10 Bolivianos Trinkgeld haben wir uns anschließend in das korrupte System integriert.


In unserem Navi (Open Street Maps ist einfach genial) entdeckten wir durch Zufall, dass ein Campingplatz namens Surubi in Villa Tunari eingezeichnet ist. Also mal schauen ob es ihn noch gibt und wir hatten Glück. Die Besitzerin spricht sogar sehr gut Englisch und da die Stellplätze im Hinterhof sind hatten wir ein ruhiges und lauschiges Plätzchen für die Nacht. Die lang lang ersehnte Dusche nach drei Tagen schwitzen und roter Haut vom Sand war auch greifbar und wir hätten sogar noch den Pool benutzen können.

Nach der ganzen Schwitzerei im Camper sehnten wir uns nach kühleren Temperaturen. Von 400m Höhe ging es zunächst über eine kurvenreiche teilweise asphaltierte Straße nach Cochabamba auf 2600m. Dort haben wir erst mal einen Großeinkauf gemacht wo sehr viele Deutsche waren, die dort leben. Außerdem haben wir noch die IVECO Vertragswerksatt angesteuert, da die Auspuffaufhängung am durchreißen war. Das Ersatzteil und der prompte Einbau waren auch noch kostenlos. Dann erreichten wir den ersten "Höhepunkt". Wir knackten die 4500m Marke an einem Pass und befanden uns dann in der Altiplanoebene auf ca. 3700m.


In jedem Dorf fanden wegen des Nationalfeiertags bunte Feste statt, mit Umzügen und viel Musik.


Tagsüber hat man hier Sonne pur, aber nachts gehen die Temperaturen auf 0 bis -5C. Wie gut dass wir ne Heizung haben. Hier haben wir das erste Mal richtig in der Wildnis gecampt, da die kleinen Dörfer bzw. 10 Hütten die ein Dorf sein sollen, nicht so einladend waren.


Nächste Station war die Silberstadt Potosi, die mal die reichste Stadt Südamerikas war und die höchstgelegene Großstadt der Welt ist. Das Highlight sind die Touren in den Minen des Cerro Rico. Wir haben lange überlegt, ob wir es wagen sollen, da es keine extra für Touris angelegte Stollen gibt, sondern man direkt bei den Minenarbeitern vorbeischaut. Außerdem werden die Stollen auf eigene Faust in den Berg getrieben ohne jeglicher Berechnung. Auch eine Absicherung der Stollen sucht man hier vergeblich. Man muß sich beim Betreten des Berges darüber im Klaren sein, daß man sich in Lebensgefahr begibt.
Die Tour begann schon mit einer Tasse Cocatee um dann gestärkt die Geschenke für die Minenarbeiter auf dem Markt zu kaufen. Hier hat man die Auswahl zwischen Cocablättern, Zigaretten, Dynamit und 96%igen Alkohol. Vom Alkohol konsumieren die Arbeiter etwa 1 Liter pur oder mit Cola gemischt am Tag.


Um auch schick genug für die Tour zu sein, wurden wir mit Regenhosen, -jacken, Gummistiefeln und Helmen eingekleidet. Fix und fertig bepackt mit unseren Geschenken fuhren wir mit dem Bus zum Mineneingang auf 4300m. Lampen an und ab in die stickigen, staubigen und teilweise nur 1m hohen Schächte. Damit man das alles besser verträgt, haben wir auch Cocablätter während der ganzen Tour gekaut.


Da unsere Gruppe aus 4 jungen Leuten bestand, durften wir die härtere Tour mit Kletterpassagen und waghalsigen Leitern in enge Schlupflöcher machen. Es herrschen Temperaturen von 0 bis 40C und der beißende Staub und Geruch machte uns zu schaffen. Kaum vorstellbar, dass die Leute mit bereits 14 Jahren mit ihren Familien dort drin arbeiten und ohne technische Hilfsmittel das Material rausholen. Zum Schutz und für Glück bei der Suche nach viel Silber und anderen Mineralien werden jeden Tag dem Teufel Opfergaben gereicht. Eine Zigarette in den Mund, die zweite in den Schoß und viel Alkohol der auf die Hände und den Kopf gekippt wird.




Unterwegs trifft man immer wieder auf Minenarbeiter mit denen man ein Pläuschchen halten kann und dafür gibt man ihnen dann die mitgebrachten Geschenke vom Markt. In dem Berg arbeiten heute noch ca. 15.000 Leute unter widrigen Bedingungen und erhalten für ihre harte Arbeit pro Tag ca. 11 Euro. Aufgrund der körperlichen Belastungen werden die meisten nicht älter als 45 und erhalten daher nie eine Rente. Insgesamt sind in den Minen seit dem 15. Jahrhundert etwa 8 Millionen Menschen gestorben.

Früher musste man von Potosi nach Uyuni eine ungeteerte und sehr kurvenreiche Piste fahren. Obwohl sie nur 220km ist, brauchte man gute 2 Tage für die Strecke. Seit neuestem ist sie super geteert und man kann die abwechslungsreiche Landschaft total genießen.

Uyuni ist der Ausgangspunkt für die Fahrt auf den mit über 10.000 qkm größten Salzsee der Welt aus dem auch das Salz für ganz Bolivien gewonnen wird.


Wir wollten unbedingt mit unserem Wutz selber auf den Salar de Uyuni fahren und verbrachten dort dann mitten auf dem See an der mit bis zu 9m hohen Kakteen gespickten Insel Incahuasi die völlig einsame und bitterkalte Nacht.
Aber dank unserer Heizung hatten wir wohlig warme 18C in unserem Camper.




Der Sonnenaufgang war einfach der Hammer, wären da nicht schon wieder um 7:00 morgens die Touristenströme.
Nach unserer Nacht auf dem Salar genossen wir die Rückfahrt nach Uyuni in vollen Zügen, da alle anderen Autos immer vormittags in die andere Richtung unterwegs sind. So blieb uns ganz viel Zeit um lustige Fotos zu machen und die Sonne zu genießen. Die Fahrt über den See und die unendliche Weite lassen einen den Rest der Welt vergessen und man könnte sich dort ewig aufhalten.








Zum Salar de Uyuni gehört aber auch noch die Lagunenroute dazu. Man kann sie selber fahren, aber wir sind im Nachhinein heilfroh, dass wir das nicht gemacht haben. Wir haben eine 3 Tagestour bei Quechua Tours gebucht und da war alles dabei (Fahrt, Benzin, Unterkünfte, Essen). Erst wollten wir eine Privattour buchen, aber das Preisverhältnis von 500,- zu 200,- mit dem Touranbieter hat uns überzeugt, dass wir dann einfach den Salar de Uyuni nochmal mitmachten.
Bevor es auf den Salar ging, machten wir noch einen Stop beim Cementerio de Trenes, einem Lokfriedhof.


Dann hieß es Foto-Shooting auf dem Salzsee. Und auch hier ergeben sich mit einer Gruppe ganz neue Fotomotive, die man zu zweit nicht realisieren kann.




Unser Guide Miguel hat uns nach der Isla Incahuasi an eine ganz besondere Grotte gefahren wo anscheinend nur dieser Touranbieter hinfährt. Wir genossen unseren zweiten Sonnenuntergang und dann verbrachten wir die erste Nacht in einem Salzhotel in einem total abgeschiedenen Dorf am Rande des Salzsees. Man wurde noch von einer einheimischen Familie bekocht und um 20:00 ging es ab ins Bett.

Am zweiten Tag fuhren wir auf stattliche 4.700m und prompt hatten die ersten Leute Anzeichen von der Höhenkrankheit. Dagegen hilft am besten Cocablätter kauen und schon verschwinden die Kopfschmerzen. Echt schade dass man Coca nicht aus Bolivien ausführen und nirgends einführen darf. Die Gegend ist so einsam und atemberaubend. Man fährt von einer Lagune zur anderen und hat zwischendrin wieder Vulkane mit 6.000m die an der Spitze leicht gezuckert sind.


An der teilweise noch zugefrorenen Laguna Hedionda sieht man dann farbenprächtige Flamingos auf Eis laufen oder schlittern und dahinter die schneebedeckten Berge bzw. Vulkane, was ein total untypisches Bild auf uns machte.




Hier gibt es auch den sogenannten Büßerschnee. Der entsteht durch ungleichmäßiges Abschmelzen bei starker Sonneneinstrahlung und geringer Luftfeuchtigkeit. Er ist ausschließlich in subtropischen oder tropischen Zonen zu finden.


Die zweite Nacht an der rot schimmernden Laguna Colorada war dann nicht so toll, da das Hostel nicht so schön war und man mit so vielen anderen Touris die Unterkunft teilen musste. Es gab für ca. 20 Leute nur 2 Klos und eines davon war irgendwann auch noch verstopft. In Bolivien lernt man die Banos Naturales zu schätzen und lieben, denn da ist alles sauber und ein Klopapier hat man in Bolivien eh immer unter den Arm geklemmt, da es keines in den öffentlichen Toiletten gibt.


Aufstehen um 5:30 hieß es dann am dritten Tag unserer Tour und da wir so ausgefroren waren gönnten wir uns ein Bad in den Agua Calientes (heiße Quellen). Außerdem gibt es noch einen Geysir, bei dem man sich durch Hindurchspringen aufwärmen kann (wohl auch nur hier möglich) und viele viele Blubbertümpel.




Die Laguna Verde sollte eigentlich das letzte Highlight sein, aber die war an vielen Stellen zugefroren und daher kam die Farbe nicht so gut rüber. Man kann von der Laguna Verde auch nach Chile einreisen, aber wir hatten ja unseren Wutz nicht dabei und somit ging es auf die lange Rückfahrt von 5-6 Stunden nach Uyuni.


Die Strecke war teilweise sehr schmal und abschüssig, trotzdem wird sie auch von LKWs befahren, die dann hin und wieder mal hängen bleiben und abrutschen.


Miguel bog auf einmal von der Hauptstraße ab und wir fuhren durch eine enge Schlucht als auf einmal eine atemberaubende Flusslandschaft auftauchte. Wir haben dort eine kleine Wanderung bzw. Kletterei über die Felsen gemacht um schlussendlich an einer Lagune rauszukommen.


Auf der Insel am Salar de Uyuni suchten wir das komische Tier, namens Vichazas, das aussieht wie ein Hase mit Ringelschwanz und hier wurden wir massenweise fündig.


Unseren Wutz hatten wir während der drei Tage im Innenhof von unserem Guide Miguel untergestellt und wir waren froh, als wir ihn wieder hatten.
Ja dann verbrachten wir die dritte Nacht in Uyuni auf dem Hinterhof des Hostal Marith, aber wir durften nicht unsere gemütlichen Betten genießen. Dominik wurde in der Nacht total schlecht und er musste sich übergeben. Flüssigkeit blieb auch nicht mehr drinnen und nachdem er die ganze Nacht entweder das Waschbecken oder das Klo gehütet hat, beschlossen wir am nächsten Tag um 7:00 in das Krankenhaus im Ort zu fahren.
Es war erstaunlich sauber und alles lief gut und geregelt ab. Der Arzt meinte dann, dass er sich bei nem Essen total den Magen verdorben hat und er wieder mit Infusionen aufgepäppelt werden muss.
Also ab auf die Krankenstation die aus einem Zimmer für Männer mit drei Betten und nem Bad bestand. Zum Glück konnte er das Zimmer alleine nutzen und die Infusionen und Medikamente zeigten schnell ihre Wirkung, so dass er nach einer Nacht wieder raus durfte.
Sandra beschloss dann nicht alleine im Camper zu übernachten, da sie auch magentechnisch nicht so fit war und quartierte sich in ein Hotel 200m vom Krankenhaus ein. Für gerade mal 170 Bolivianos, was ungefähr 18 Euro entspricht, kann man das schon mal machen und dank super WiFi konnte sie auch gleich den Eltern über Skype Bescheid geben.

Dominik ging es nach der Nacht im Krankenhaus wieder besser, aber wir verbrachten noch eine Nacht im Hotel damit er sich erholen konnte.
Auschecken und ab zum höchst gelegenen Regierungssitz der Welt, La Paz, vorbei an einer 2km langen zweireihigen Schlange von Autos die um Sprit an der Tankstelle anstanden.


Kurz nach Uyuni merkten wir einen Leistungsabfall beim Wutz und konnten teilweise nur noch kriechend die Berge bezwingen. Wir hofften die ca. 500km gut aber halt langsamer als gedacht zu meistern um dann in La Paz in die IVECO-Werkstatt zu fahren.
Es war Sonntag als wir oberhalb von La Paz standen und nun einen Weg durch das Straßengewirr suchten. Da diese Stadt berühmt berüchtigt ist für sein Verkehrschaos stellten wir uns auf das schlimmste ein. 2 Bolivianos Mautgebühr für die Autobahn und ab ging es mitten durch. Da La Paz in einem total tiefen Kessel liegt, geht es ständig rauf und runter.


Dominik meisterte alles mit Bravur und so kamen wir in der "Auffangstation für Globetrotter" im Hotel Oberland an und freuten uns auf eine Nacht im vorher reservierten Doppelzimmer mit Gasheizung. Auf dem Hinterhof standen bereits zwei Iren mit ihrem Truck und ein einsames Zelt. Das gehört dem Frank aus Deutschland der hier mit seinem Motorrad unterwegs ist.


Am nächsten Morgen telefonierte sich Dominik durch, um eine Werkstatt zu finden die sich an Dieselfahrzeuge ran traut wegen dem Leistungsabfall und wo wir schnell einen Termin auch für Ölwechsel und Reifenwechsel bekommen. Wir hatten gleich für Dienstag um 8:30 nen Termin bei IMCRUZ und dem Leiter der Werkstatt Agustin Bautista.
Den Montag nutzten wir um die Stadt zu erkunden. Ab in einen Minibus und für 2,50 Bolivianos pro Person mitten rein ins Getümmel. Es gibt eine Touristrasse in der auch diverse Touranbieter ansässig sind. Erkundigten uns über eine Mountainbiketour auf dem Camino de la Muerte, der berühmten Todesstrasse. Hier spricht man auch Englisch und nachdem wir erzählt haben, dass wir noch nichts buchen können, da wir nicht wissen was mit dem Auto ist, hat der Inhaber des Büros angeboten zu einem befreundeten Mechaniker mitzukommen und dem unser Anliegen zu schildern. Also die steilen Straßen hinter im her gehechelt und der nette Herr bestätigte die Adresse der Werkstatt in der wir eh am nächsten Tag nen Termin hatten.

Dann noch ab zum Hexenmarkt auf dem es allerlei Heilkräuter gibt und was sehr skuril wirkt: Lamaföten entweder mit oder ohne Haut und in allen möglichen Entwicklungsstadien. Sie werden für die Götter geopfert indem sie mit anderen Kräutern verbrannt werden und z.B. die Asche unter ein neu gebautes Haus vergraben wird was Glück bringen soll. Ansonsten gibt es hier auch den üblichen "Made in China" Kram von der Alpacasocke bis zum Pulli und den kunterbunten Mützen.


Ein Abstecher zum Präsidentenpalast war auch noch dabei und prompt war da ein großes Aufgebot mit Militär und rotem Teppich. Es wurde die deutsche Nationalhymne gespielt und ein grauhaariger Herr mit einem Orden ausgezeichnet. Im Nachhinein wissen wir, dass das der neue Botschafter war.
Sandra wagte es dann noch ohne Wörterbuch zum Frisör zu gehen. Zum Glück gab es im Salon ein paar Klatsch- und Tratschzeitschriften in denen sich eine Frisur mit Under Cut finden lies und los ging die Schnippelei. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und für gerade mal 3,50 kann man sich das öfter gönnen.

Am Dienstag früh standen wir um 8:00 vor der Werkstatt in El Alto und wurden dann von dem Chefmechaniker empfangen. Er schrieb all unsere Anliegen auf und meinte, wir sollen um 18 Uhr wieder kommen.

Zuvor haben wir noch unser Fahrrad, welches hinten am Ersatzreifen befestigt war an einen der bolivianischen Mechaniker verkauft. Nach zähen Verhandlungen haben sich beide Parteien geeinigt und die Zufriedenheit über den Handel ist ihnen ins Gesicht geschrieben.


Mittwochs wagten wir das erste Mal Sport nach 2 Monaten und auf knapp 3600m zu machen. Wir gingen im Kessel von La Paz zum Klettern. Die Aussicht war super und wir stellten uns nach so langer Pause gar nicht so schlecht an. Miguel, unser Guide, spricht gut Englisch und daher quatschten wir auch über vieles und machten aus, dass wir bei schönem Wetter am Samstag nochmal die Berge beklettern. Echt ein netter Kerl und super hilfsbereit. Er will am Freitagmorgen mit uns zur Werkstatt um alles zu übersetzen was die uns erzählen und evtl. noch was wegen dem Preis verhandeln.


Für Donnerstag war Mountainbiken angesagt. Da sich in der Nacht aber Sandra's Magen quer stellte, musste Dominik alleine die Tour machen. Zuerst geht es mit dem Bus auf den La Cumbre Pass auf 4.650m Höhe. Von dort fährt man auf einer Strecke von 65km bis auf eine Höhe von 1.200m runter. Die Todesstrasse war bis 2006 die einzige Verbindung von La Paz zum Amazonas bis sie von einer neuen geteerten aber nicht weniger spektakulären Strasse abgelöst wurde. Dennoch fahren einige LKWs und Autos nach wie vor auf der alten Strasse und so hat man als Mountainbiker noch einen zusätzlichen Nervenkitzel. An manchen Stellen ist die Strasse nur 2,40m breit, dazu kommen Wasserfälle, die die Stecke aufweichen und unzählige unübersichtliche Kurven. Ein Wunder dass hier pro Jahr nur 3 Mountainbiker ums Leben kommen.
Verglichen mit den 200-300 Todesopfern, teilweise sind ganze Busse in den Abgrund gestürzt, ist das noch wenig, aber viele Fahrfehler darf man auf dieser Strecke nicht machen.
Die Landschaft ist einmalig und man sollte tunlichst anhalten, um ein Foto zu machen. Nach der Tour war klar: mit dem Auto fahren wir dort nicht entlang.




Sonntags hieß es erst einmal ausschlafen und Camper innen sauber machen. Als wir auf dem Weg zum Mittagessen waren, standen an der Rezeption plötzlich zwei bekannte Gesichter die uns zuwinkten. Dominiks Cousin Christian mit Freundin Marina haben uns überrascht, da sie eigentlich am Montag ankommen wollten. Sie quartierten sich sogar eine Nacht im Hotel Oberland ein und kamen gleich am Abend mit zum Cholita-Wrestling nach El Alto, das nur sonntags statt findet.


Beim Cholita-Wrestling treten Frauen in traditioneller Tracht gegeneinander und auch gegen Männer an. Es ist eine große Show und man hat viel zu lachen. Das Ganze findet in einer sehr sehr kalten Betonhalle statt, aber im Preis ist eine Tüte Popcorn, ein heißer Tee, ein Toilettengang und ein Souvenir inklusive. Zum Schluss der Show darf man in den Ring zu den Cholitas und Fotos machen. Es lohnt sich auf jeden Fall, denn erstens ist es eine nette Abendbeschäftigung und man unterstützt den Verein der sich für Selbstverteidigung von Frauen engagiert.


Am Montag klingelte um 6:00 der Wecker, da wir mit neuen Freunden vom Camping Oberland Merv und Sarah (aus Irland) und dem Frank (aus Hessen) den Camino de la Muerte bezwingen wollten. Dominik hatte ja die Tour bereits eine Woche vorher gemacht, fuhr aber auch nochmal mit. Nachdem wir mit Integralhelm, Ellbogen- und Knieschonern, Jacke und Hose eingekleidet wurden ging es auf den in 4.650m gelegenen La Cumbre Pass.


Da es zwei Tage zuvor dort oben geschneit hat, schlitterten wir ein bisschen über Eis und Schneefelder. Wir mussten nen kurzen Stop einlegen, da es an einer Stelle nur noch einspurig weiter ging. Die Jungs gingen ein bisschen auf Motivsuche und da sie ein wenig weit gelaufen waren haben sie eine Mitfahrgelegenheit auf einem Pickup aufgetan. Ein paar Höhenmeter weiter unten und nach einem genialen Frühstück im Schnee ging es ab auf unsere Downhill Bikes und 25km erst einmal über Asphalt nach unten auf der neuen Passtraße. Dann bogen wir ab auf die eigentliche Todesstrasse und die macht ihrem Namen alle Ehre. Echt beeindruckend wie sie sich an den grünen Hügeln entlang schlängelt und unvorstellbar wie über diese Straße sich der gesamte LKW-Verkehr früher hoch quälte.




Nach gut einer Stunde gab es dann noch einen Stop für eine Stärkung und um die mittlerweile überschüssigen Klamotten los zu werden. Es wurde immer wärmer und wärmer und am Ende der Strecke hatten wir über 20 Grad.
Am nächsten Tag hieß es dann Abschied nehmen von den netten Leuten die wir kennengelernt hatten. Auf ging es nach einer Woche in La Paz nach Copacabana am Titicacasee. Wir machten noch einen Abstecher zu den Ausgrabungen von Tiwanaku und Puma Punku.


Dann galt es mit einer sehr klapprigen Fähre über den Titicacasee zu schippern. Als Dominik auf die nur mit ein paar Holzbrettern ausgelegte Fähre fuhr, biegten sich die Latten und eine schnalzte arg weit hoch.


Gut auf der anderen Seite angekommen ging es rein in den Wallfahrtsort, von dem der berühmte Strand in Rio seinen Namen hat, denn dort wurde zu Ehren der schwarzen Madonna eine kleine Kapelle errichtet. Auf dem Weg haben wir uns noch als bolivianisches Taxi angeboten und eine sehr alte Dame mitgenommen.
Mit Christian und Marina trafen wir uns am Bootsanleger, um einen Abstecher auf die Isla del Sol zu machen, dem Geburtsort der Sonne laut der Inkas.


Wir tuckerten 2 Stunden über den Titicacasee um dann eine anstrengende Wanderung vom Norden der Insel in den Süden zu machen. Wir wählten die Route durch die Dörfer, während alle anderen Touris über die Westroute gewandert sind.




Nach 4 Stunden waren wir dann in Yumani, um wieder das Boot nach Copacabana zu nehmen. Wir wollten noch unsere restlichen Bolivianos ausgeben und gönnten uns am Abend im Restaurant La Cupula noch ein richtig leckeres Abschiedsessen zu viert, da es am nächsten Tag nach Peru ging.
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